Sonntag, 23. August 2015

Kritik am Zeitgeist und nachdenklich bis ins Mark



            Zirkus Zeitgeist (Deluxe - Edition)
Saltatio Mortis

Saltatio wer? So stand ich da, als ich in einem sozialen Netzwerk den Song "Nachts weinen die Soldaten" entdeckte. Die Band kannte ich vorher so gar nicht, aber nach dem Song und weiteren war mir klar: die muss ich hören. Und ZACK! war das Album gekauft. Hat es sich gelohnt?



Bei den ersten Songs verzog ich das Gesicht. Nicht, dass die musikalische Leistung schlecht wäre, aber die Kritik, die die Spielmänner äußern, kommt doch recht polemisch daher. Während ich bei "Wo sind die Clowns?" noch zustimmen konnte und es als Opener genial finde, waren "Willkommen in der Weihnachtszeit" und "Des Bänkers neue Kleider" eher naja. Ja, auch ich bin genervt, wenn ich quasi  im Bikini schon Spekulatius kaufen kann, aber dem Ganzen einen Song widmen? Vor allem mit Kritik, die jedes Jahr aufs neue durch alle Kanäle schwirrt. Das war mir dann doch zu platt. Bei "Des Bänkers neue Kleider" bin ich durch meine beruflichen Erfahrungen vorgeschädigt und bin der Meinung, dass es sich hier die Band zu einfach mit der Kritik am System macht. Der Song sprüht vor einschlägigen Zeilen, die man so nur von dem Blatt mit den 4 großen Buchstaben kennt. Sollte ich doch einen Fehlgriff getätigt haben?

Spätestens ab "Augen zu" bekommt das Album jedoch eine Tiefe und Nachdenklichkeit, die ich so nie erwartet hätte. Die Jungs nehmen sich Zeit und Muße und werfen einen Blick hinter die Fassaden der gutbürgerlichen Gesellschaft. Zudem geben sie auch viel an Gefühl, Trauer und Weitsicht preis. Wow!

Und für alle Kritiker, die der Meinung sind, dass Saltatio Mortis sich und ihre Ideale verraten, haben die Spielmänner noch ein Leckerli: "Geradeaus". In diesem Lied knöpfen sie sich sarkastisch und mit einer hohen Treffsicherheit jeden Kritikpunkt vor, den man ihnen an den Kopf wirft. Da musste ich beim Hören schon grinsen. Denn ich glaube, jede Band, die so lang im Geschäft ist, muss sich diese Art der Kritik früher oder später gefallen lassen.

Die Deluxe - Version hält noch eine 2. CD bereit, auf der sich Bands des Mittelalterrocks den Songs von Saltatio Mortis annehmen. Und das tun sie mit Hingabe. Ob nun Subway to Sally, Schandmaul oder Feuerschwanz. Viele Gruppen waren mir eher unbekannt bzw. nur vom Namen her ein Begriff. Doch nun bin ich auf den Geschmack gekommen. Die verschiedenen Interpretationen haben ihren ganz eigenen Charme und machen neugierig darauf, was die einzelnen Bands noch so können. Grandios!

Die Stimme des Frontmannes und der harte Rock im Hintergrund ergeben ein stimmiges Gesamtbild. Gerade bei den leisen Tönen merkt man sehr, wie stark diese Band sein kann. Denn brüllen kann jeder, nachdenklich sein und den Hörer mitten ins Herz treffen, DAS ist die Kunst.


Fazit: ein für mich starkes Album, das Bock auf viel mehr macht. Ich kann es nur empfehlen!

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