Dienstag, 8. November 2016

Lasst uns Drogen nehmen, denn Musik ist keine Lösung - Ein Abend mit Alligatoah


Schon länger liebe ich die Musik von Alligatoah. Der Rapper, der nicht nur singt, sondern auch produziert, begeistert mich seit seinem Album "Triebwerke". Vielen ist er mit seinem Song "Willst du?" bekannt.
(Quelle: YouTube)

Doch was passiert, wenn ein Rapper komplett auf Akustik umsteigt? Keine Band, keine Gang um ihn herum? Und das ganze Konzert dann auch noch im Admiralspalast, in dem sonst große Theaterstücke aufgeführt werden. Kann das gut gehen?


Es kann und es ist. Doch bevor Alligatoah selbst auf die Bühne kam, durfte der Pianist Michael Krebs ran. Der Künstler war mir bisher unbekannt. Doch mit Humor, Satire und purem Entertainment konnte er das zunächst stille Publikum grandios mitreißen. Ich lag in meinem Sitz vor Lachen und war schlichtweg begeistert.
(Quelle: YouTube)

Umso überraschter war ich, als sich der Vorhang lüftete und auf der Bühne eine Baustelle zu sehen war. Was war denn das? Und bevor der Meister die Bühne betrat, kam seine einzige musikalische Begleitung namens Onkel auf die Bühne, gekleidet im feschen Blaumann. Verwirrung im gesamten Publikum. Dies legte sich jedoch, als auch Alligatoah im Blaumann auf die Bühne kam. Das war was ganz anderes. Der Rapper legte dann auch direkt los und hielt sich nicht lang mit Begrüßungsfloskeln auf.


"Denk an die Kinder" war sein erster Song. Und das mit einer melodischen, glasklaren Stimme, die ich so nicht erwartet hatte. Alligatoah nahm sein Publikum direkt gefangen und es dauerte nur wenige Augenblicke, bis der gesamte Saal den Song mitsang. Leise, aber dennoch verständlich. Das fand ich persönlich wunderbar, denn so konnte der Künstler sein Talent beweisen.

Zwischen den Songs führte der Wahlberliner locker-flockig und mit gekonnter Ironie durch den Abend. Er war auch der einzige, der sprach, denn Onkel war und blieb stumm. Was der Dynamik der beiden aber keinen Abbruch tat.

Mal ganz leise, mal aufgedreht, aber nie überdreht gab der Rapper Song um Song zum Besten. Ich war hin und weg von seiner Stimme, seiner Stärke im Gesang und seiner Agilität auf der Bühne. Jede Minute war ein Genuss und ich war so fasziniert, dass ich nicht merkte, wie die Zeit verging. Nach knapp 2 Stunden verabschiedeten sich die beiden von der Bühne. Verdattert registrierte ich dort erst, wie spät es war. Dies ist mir so nur bei sehr sehr wenigen Konzerten passiert.

Bei Alligatoah sollte man eines beachten: seine Texte entfalten ihre Wirkung nach dem zweiten und dritten Hören. Bei mir läuft das aktuelle Album rauf und runter und selbst ich entdecke, je nach Tagesform, immer noch neue Sichtweisen auf seine Lieder. Wer nur oberflächlich hinhört, wird eventuell zurückschrecken.Wer sich Zeit nimmt, wird erkennen, dass der Musiker ein Wortpoet erster Güte ist.

Fazit: eine klare Konzertempfehlung für diesen wunderbaren Musiker, in dem mehr steckt als nur pure Provokation!